VERGESSEN IST ALLES

Hermes

Erik Tannhäuser

Unweit des Skulpturengartens befindet sich die Hermesvilla, auch zur Hermesstraße sind es nur 5 Minuten mit dem Rad. Kaiser Franz Joseph I machte die Hermesvilla Kaiserin Elisabeth zum Geschenk. Hoffnung war, seine reisefreudige Frau öfter in Wien halten zu können. Er wäre besser beraten gewesen, die Villa nicht nach dem Gott der Reisenden zu benennen. Am wohlsten fühlte sich Sissi im Palast Achilleion, einige Kilometer südlich von Korfu. Dort führten die meisten ihrer Reisen hin.

Auch Hermes ist Griechenland nicht fremd. Tannhäuser hat ihn, als kleine Skulptur, aus der Transportbox steigen lassen. Das Figürchen ist hervortreten und gibt der Welt seine Flügel zurück. Flügel, Symbol des Göttlichen, Symbol der Freiheit.

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Hermes hat nicht seine Profession verloren, er hat Flügel gegen Regenschirm getauscht.
Gephotoshoppt wurde er.
Die Miniatur ist nun in Form eines Stickers an der Bahnscheibe, als Scherenschnitt am Stiel fliegt er händisch mit seinem Träger. Beginnt der Zug seine Fahrt, nimmt auch Hermes Flug auf. Desto schneller der Tragende läuft, umso schneller fliegt Hermes durch die Lüfte. Zwangsläufig nehmen die Bahnfahrenden, Hermes betrachtend, die Landschaft hinter der Scheibe war. Die fremd gewordene Umgebung, der meist aufs Handy schauenden.

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WAR ALLES

Umgebung - Umwelt - Umfeld

Dem wenden sie sich nun wieder zu.

Die Tickets sind gebucht, Hermes reist im Zug von Wien nach Bremen. Am Tag darauf mit Bus und Bahn nach Dangast, an die nordische Küste. Hermes möchte Meer. Reist am Sonntag darauf nach Berlin zum Olympiastadion, benannt nach der Heimat seines Vaters, Zeus. Olympia, Heiligtum des Zeus, bezeugt seit Mitte des 11. Jhd. v. Chr. Der erste Nachweis für die Abhaltung regelmäßiger Wettkämpfe in Olympia geht auf das 7. Jhd. v. Chr. zurück.

Ins Jahr 426 n. Chr. geht Hermes Reise weiter, da nämlich ließ der oströmische Kaiser Theodosius II, die Olympischen Spiele und Weihehandlungen endgültig verbieten, um das Heidentum zu bekämpfen. Im Jahr 551 n. Chr. wurde die Stätte durch Überschwemmung oder Tsunami zerstört. Erst 1766 wurde Olympia wieder entdeckt, 1896 fanden die ersten Sommerspiele der Neuzeit in Athen statt.

Hermes reist weiter.

Damit Vergessenes nicht vergessen bleibt.

Nur dann, wenn wir uns Dinge immer wieder in Erinnerung rufen,
werden sie nicht vergessen und haben Einfluss.

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Als Mahnender in Form von Sticker und am Stiel reist er zum Olympiastadion in Berlin.
1934-1936 wurde dieses, für die 11. Olympischen Spiele errichtet, rein zu propagandistischen Zwecken des beginnenden Nationalsozialismus.

Hermes, Gott der Reisenden, fliegt durch unsere Welt.
Hermes, als Reisender, fliegt durch die Geschichte.
Hermes als Vermittler. In diesem Sinne hat Tannhäuser ihn aus der Transportbox geholt.

Wie Hermes weiter reist, hängt von uns allen ab, es wird sich weisen. Vielleicht verkehrt er weiter als Gott des Verkehrs nach Wolfsburg, Stuttgart oder Freienbrink in Brandenburg oder München. Als Gott der Kunsthändler, die die Themen der Zeit verbaseln, nach Basel. Vielleicht wirft er seinen Blick als Gott der Kaufleute auf deren Handel (42 Milliardäre besitzen so viel wie die halbe Welt). Hermes hat also alle Hände voll zu tun, jedoch nur eine frei. Ein Zurück zu den beflügelten Sandalen gibt es nicht.

Ausgestellt ist die Hermesskulptur in unserem Skulpturengarten am Lainzer Tor. Termine zur Betrachtung können telefonisch vereinbart werden. Das Reisedokument ist ab 20. November um 11:20 auf Instagram zu finden.

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Der Skulpturengarten am Lainzer Tor

Unweit vom Lainzer Tiergarten verortet.
Schaffensort und Aussichtspunkt.

Ein Ort des Sichtens, des Sehens, des Durchdenkens und Fragenstellens:
Nicht unbedingt danach, was die Welt im Inneren zusammenhält. Was braucht es, damit sie nicht völlig auseinander fällt?

Der Eintritt in den Skulpturengarten ist ein Austritt aus der Welt des Sehens zur Orientierung. Hier ist Sehen, Erfahrung, Erleben und im besten Falle nimmt man dieses mit hinaus.

Hier haben Humus und Detritus der Bildnerei ihr Zuhause, um wieder in der Skulpturengärtnerei zu landen. Denen kann man hier begegnen, in sich kehren und sich selbst begegnen. Denn schöpfen tun wir vor allem aus uns selbst. Audioguides gibt es nicht.

Kontakt

Skulpturengarten am Lainzer Tor

Wlassakstraße 98

1130 Wien

E-Mail: post@skulpturengarten-wien.com

T. 0043 660832 0923

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Condé

Ausstellung: vom 24. September – 9. Oktober 2022

Über Jahrzehnte entwarf und fertigte Tannhäuser Skulpturen und Installationen für Chanel, Tommy Hilfiger, Hugo Boss, Nike, Rammstein, Amnesty, ...

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Nun ist er aus dem Flirren des Dekorativen hinabgestiegen zum Schmutz der Straße, dahin, wo man notwendigerweise Nasenklammer trägt. Fertigt Bildwerke und Skulpturen, Briefe an die Kolonisten, wie er sie nennt. Erinnerungen der Ausgewanderten an die Heimat. An das, wovon sie sich abgewandt haben. Ausgeschiedenen versinnbildlicht er ihren Abdruck im Leben.

Vergessen ist Alles meint zweierlei, zum einen als Maxime und zum anderen als die Notwendigkeit, um völlig unbelastet alle Fehler noch einmal begehen zu können.

Der Arbeitstitel ist Oberbegriff für eine Produktionsserie, die immer noch einen Untertitel trägt. Condè ist der Untertitel, der ersten VERGESSEN IST ALLES Ausstellung. Condè ist Symbolskulptur Tannhäusers Werke von 2002 bis 2022.

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